Blutdruck & Zucker Tagebuch

Warum ist der Blutzucker morgens höher als abends?

In den frühen Morgenstunden gibt die Leber mehr Zucker ins Blut ab und der Körper braucht mehr Insulin, wahrscheinlich wegen nächtlicher Schübe des Wachstumshormons. Ohne Diabetes schüttet die Bauchspeicheldrüse sofort etwas mehr Insulin aus und der Blutzucker bleibt fast gleich; mit Diabetes steigt er vom nächtlichen Tiefpunkt bis vor dem Frühstück meist um 15–25 mg/dl. Das nennt man Dawn-Phänomen. Nüchtern gelten 70–99 mg/dl als normal, 100–125 mg/dl als erhöht und ab 126 mg/dl als typisch für Diabetes – die Diagnose stellt Ihr Arzt anhand von Laborwerten.

Woher der Anstieg am Morgen kommt

In der ersten Nachthälfte spricht der Körper gut auf Insulin an. Etwa zwischen 4 und 8 Uhr braucht er mehr davon: Die Leber gibt mehr Zucker ins Blut ab, und als wahrscheinlichste Ursache gelten nächtliche Schübe des Wachstumshormons. Bei Menschen ohne Diabetes schüttet die Bauchspeicheldrüse kurz vor dem Morgen etwas mehr Insulin aus, und der Blutzucker bleibt die ganze Nacht fast flach. Bei Diabetes fehlt dieses zusätzliche Insulin, und der Zucker steigt bis zum Frühstück.

Vom nächtlichen Tiefpunkt bis zur Messung vor dem Frühstück steigt der Blutzucker meist um 15–25 mg/dl. In einer Studie mit 248 Menschen mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin spritzten, betrug der Anstieg bei der Hälfte 16 mg/dl oder mehr. Wer einen Anstieg von über 20 mg/dl hatte, hatte einen um etwa 0,4 Prozentpunkte höheren HbA1c-Wert als Menschen mit gleichem nächtlichem Tiefpunkt ohne diesen Anstieg. Das Dawn-Phänomen erhöht auch den Zucker nach dem Frühstück: In dieser Studie lag er höher als nach dem Mittag- und dem Abendessen.

Was den Morgenwert zusätzlich erhöht

Und der Somogyi-Effekt?

Nach einer alten Theorie löst ein niedriger Blutzucker in der Nacht eine Gegenreaktion aus, die morgens zu hohen Werten führt. Die meisten Studien haben das nicht bestätigt. In einer Studie mit 89 Menschen mit Typ-1-Diabetes, deren Blutzucker nachts ein Sensor aufzeichnete, war der Morgenwert nach Nächten mit Unterzucker deutlich niedriger, nicht höher. Die Autoren schreiben, dass der Somogyi-Effekt in der Praxis selten ist. Häufiger ist es umgekehrt: Bei Menschen mit Insulin kann ein niedriger Morgenwert auf einen nächtlichen Unterzucker hinweisen. Wenn Sie Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nehmen, bittet Ihr Arzt Sie vielleicht um eine Messung in der Nacht.

So messen Sie den Nüchternblutzucker

Lieber auf Papier? Laden Sie das Blutzuckertagebuch zum Ausdrucken herunter.

Beispiel aus einer Woche

Sieben Tage Messungen, Abendessen immer gegen 19 Uhr:

Morgens ist der Wert im Schnitt 10 mg/dl höher, obwohl seit dem Abendessen mehr als 11 Stunden vergangen sind. Das passt zum Dawn-Phänomen. Alle Morgenwerte liegen zwischen 100 und 125 mg/dl, die App markiert sie also als erhöht (gestörte Nüchternglukose). Die Werte vor dem Schlafen bewertet sie nicht. Eine solche Woche sollten Sie Ihrem Arzt zeigen; er entscheidet, ob eine Laboruntersuchung nötig ist.

Blutzuckerwerte im Überblick (nach ADA)

Dieselben Grenzen verwendet die App. Ein Wert vom Messgerät reicht für die Diagnose Diabetes nicht aus: Ihr Arzt stellt sie anhand von Laboruntersuchungen, und wenn der Wert nicht eindeutig hoch ist, wird der Test wiederholt.

Zeitpunktmg/dlBewertung
Nüchtern70–99normal
100–125erhöht (gestörte Nüchternglukose)
ab 126typisch für Diabetes
2 Std. nach dem Essen70–139normal
140–199erhöht
ab 200typisch für Diabetes
Jederzeitunter 70Unterzucker (Hypoglykämie)

Wann Sie nicht auf den Termin warten sollten

Ein Wert unter 70 mg/dl ist ein Unterzucker. Wenn Sie Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nehmen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, was Sie dann tun. Ist jemand mit Unterzucker verwirrt, kann nicht sicher schlucken oder wird bewusstlos: Notruf 112.

Fragen

Warum ist der Blutzucker morgens höher als abends?

In den frühen Morgenstunden gibt die Leber mehr Zucker ab und der Körper braucht mehr Insulin. Ohne Diabetes gleicht die Bauchspeicheldrüse das aus, mit Diabetes steigt der Zucker meist um 15–25 mg/dl. Das ist das Dawn-Phänomen.

Ist ein Nüchternblutzucker von 105 mg/dl zu hoch?

Er ist erhöht: 100–125 mg/dl nüchtern gilt als gestörte Nüchternglukose. Das ist noch keine Diagnose Diabetes. Zeigen Sie die Werte mehrerer Tage Ihrem Arzt, der über eine Laboruntersuchung entscheidet.

Darf ich vor der Nüchternmessung Wasser trinken?

Ja. Nüchtern heißt mindestens 8 Stunden ohne Essen und ohne Getränke mit Kalorien. Wasser hat keine Kalorien.

Was ist der Somogyi-Effekt?

Die alte Theorie, dass ein nächtlicher Unterzucker morgens zu hohen Werten führt. Studien mit kontinuierlicher Glukosemessung zeigen, dass das selten vorkommt: Nach einem nächtlichen Unterzucker ist der Morgenwert meist niedriger, nicht höher.

Quellen

  1. Porcellati F. et al. Thirty years of research on the dawn phenomenon: lessons to optimize blood glucose control in diabetes. Diabetes Care, 2013. doi.org/10.2337/dc13-2088
  2. Monnier L. et al. Magnitude of the dawn phenomenon and its impact on the overall glucose exposure in type 2 diabetes: is this of concern? Diabetes Care, 2013. doi.org/10.2337/dc12-2127
  3. Choudhary P. et al. Do high fasting glucose levels suggest nocturnal hypoglycaemia? The Somogyi effect – more fiction than fact? Diabetic Medicine, 2013. doi.org/10.1111/dme.12175
  4. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes – 2025. Diabetes Care, 2025. doi.org/10.2337/dc25-S002

Für den Arzttermin